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Schärfentiefe als Gestaltungswerkzeug

Schärfentiefe als Gestaltungswerkzeug

Schärfentiefe (Tiefenschärfe)

Das Maß der Ausdehnung eines scharfen Bereichs im Objektraum eines optischen Systems mit dem Abbildungen erstellt werden wird als Schärfentiefe benannt. Oft wird im Volksmund auch der Begriff Tiefenschärfe für dieses Maß verwendet, die wissenschaftlich genutzte Benennung ist jedoch die Schärfentiefe.

Ein gewichtiges Werkzeug für den Bereich der scharf abgebildet werden soll ist die Wahl der Blende. Durch das Abblenden der Blende dehnt sich der Bereich aus, durch Aufblenden verringert sich der Bereich der Tiefenschärfe. Weitere Faktoren wie die Brennweite eines Objektivs, der Abstand zum abzubildenden Objekt und die Größe der „Aufzeichnenden Einheit (Film oder Digitalchip)“ beeinflussen die Tiefenschärfe maßgeblich.

In diesem Tutorial möchte ich allerdings nicht auf die mathematische Ermittlung der Schärfentiefe eingehen, sondern Euch ehr das Werkzeug Schärfentiefe vorstellen und das Interesse wecken damit fotografisch zu experimentieren. Auch in der Personenfotografie kann die Schärfentiefe dazu dienen das Portrait vom Hintergrund abzulösen. Hier sprechen wir auch gern mal davon das Portrait „freizustellen“. Das bewusste selektieren des „scharf abzubildenden  Bereiches“ einer Fotografie dagegen trennt Hintergrund und Objekt deutlich ohne den Einsatz des Holzhammereffektes der Bearbeitungsfunktion „Freistellen“. Aber auch in der Sachfotografie wird der bewusste Einsatz der Schärfentiefe zu einem wichtigen Gestaltungselement. So kann man z.B. Textpassagen hervorheben ohne die grafisch zu markieren. Das Gestaltungselement Tiefenschärfe ist aus der professionellen Fotografie nicht wegzudiskutieren auch wenn ab und an die Fraktion der „Ich kann scharf und bunt Gestalter“ einiger Communitys gern solche Elemente in einem Bild diskussionswürdig  empfinden.

Eine Vorraussetzung für den gezielten Einsatz der Tiefenschärfe ist das punktgenaue fokussieren eines Bereiches in einem Motiv. Viele aktuelle Digitalkameras errechnen den Fokus aus mehreren Messwerten verschiedener Autofokusmessfelder. Diese Funktion sollte für Bilder mit bewusst eingesetzter Schärfentiefe abgeschaltet werden und stattdessen die Messung auf einen aktiven Autofocusmesspunkt aktiviert werden. Natürlich kann der Schärfepunkt im Vorfeld auch manuell vorgegeben werden.

Zur Verdeutlichung wie Schärfentiefe gestalterisch eingesetzt werden kann, habe ich zwei Beispielbilder erstellt. Hierbei handelt es sich um Textauszüge aus einem Magazin. In den Bildern ist gut zu erkennen wie die Tiefenschärfe bei Blende 1:2.8 nur einen kleinen Textauszug erkennbar freistellt, während bei Blende 13 ein sehr viel größerer Bereich lesbar bleibt.. Für die freundliche Genehmigung und Unterstützung bedanke ich mich bei Matthias Grimme vom Charon-Verlag Hamburg www.schlagzeilen.com. Die Bilder wurden mit einer Canon EOS 1D M II und einer Tamron-ZoomoOptik 28-75mm 2.8 AF DI Markro bei ca. 70mm Brennweite erstellt.

Viel Freude beim experimentieren wünscht,

Ulrich Grolla

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